Planlos | Neuauflage 2017

Wir sind grad im großen Remake - Modus und auch Planlos bekommt ein neues Gesicht. Sowohl äußerlich, als auch innen.

Das Cover wurde komplett überarbeitet und die Illustrationen innen wurden aus dem Grund gleich mitgemacht.

Es wird in den nächsten Wochen neu gedruckt, damit wir es mit auf die ComicCon in Stuttgart nehmen können. Natürlich werden wir euch hier mit neuen Bildern versorgen, sobald wir es in Händen halten!


PLANLOS


Unser erstes Projekt 'Planlos'

Ein kurzes Werk mit 88 Seiten und wunderbaren Illustrationen von Modern Myth

Die Handlung:

Der achtzehnjährige Emilio ist ein normaler Junge. Es gibt nur ein Problem: Er ist schwul und steht insgeheim auf seinen besten Kumpel Paul.

Dennoch überschlagen sich mit einem Mal die Ereignisse. Emilio lösst sich immer wieder auf Abenteuer mit seinem Ex Phil ein, erfährt das sein leiblicher Vater wieder Kontakt zu ihm haben möchte, nur um sich das Erbe zu sichern und dann verrät auch noch seine beste Freundin Calliope sein größtes Geheimnis. Ausgerechnet an Paul.


Das Buch ist sowohl als Paperback (ISBN - 9783732293216) oder als e-book bei allen Händlern erhältlich.


Leseprobe Kapitel 01

 

Kapitel 1

 

Es hätte wirklich ein guter Tag werden können. Aber bei meinem Glück, gleich am ersten Tag nach den Weihnachtsferien? Hah! Das ich nicht lache! Mal abgesehen davon, dass das neue Jahr schon bescheiden angefangen hatte. NEIN, es musste auch noch so weitergehen.

Meine Freunde waren alle über die Feiertage verreist gewesen. Skifahren. Was traumhaftes, wenn man auf gebrochene Knochen und Sonnenbrand im Winter steht. Also, definitiv nichts für meine Wenigkeit. Aus dem einfachen Grund, dass ich dazu neige, tollpatschig zu sein.

Aber um zum Anfang zurückzukehren, ein beschissener Start in den Schulalltag.

 

Als ich heute Morgen die Augen öffnete, fand ich mich in meinem warmen, kuscheligen Bett wieder. Traumhaft, wenn draußen die gefühlte nächste Eiszeit rockt und reger Schneefall herrscht.

Und dann auch noch dieser kuschelig warme Körper, an welchen ich mich schmiegen konnte, nur um gleich in die starken Arme gezogen zu werden.

Gerade als ich mich umdrehen wollte, um meinem Wärmer einen leidenschaftlichen Kuss aufzudrücken, hörte ich die Stimme meiner Mutter.

„EMILIO GONZALES SCHMIDT!“

Und Leute, ich sage euch, allein schon Tonlage und, vor allem, die Lautstärke waren kein gutes Zeichen. Sie war definitiv 'not amused'.

Und nicht nur ich kannte den Grund, sondern auch mein Bettgenosse, der augenblicklich kerzengerade im Bett saß. Ich hingegen vergrub mein Gesicht tief, tief, tief in den Kissen.

Ich bemerkte, wie Phil aufstand und sich schnell anzog. Nachdem er mir einen Kuss auf die Haare gedrückt hatte, verschwand er. Auf der Treppe hörte ich nur ein 'Morgen Mrs. Schmidt' und kurz darauf die Türe. Ich wusste, was mir blühte, also fischte ich nach meinen Pantys und zog sie an, während meine Mutter wie ein Drache in mein Zimmer raste.

Und wenn ich Drache sage, dann meine ich es auch so!

Gut ihr stiegen jetzt keine Rauchwolken aus der Nase, sie hatte auch keine Flügel. So im übertragenen Sinne halt.

Allein ihr Blick konnte Seen zum erfrieren bringen, aber mich beeindruckte er schon lange nicht mehr. Sie deutete mit dem Finger auf die Tür.

„Emilio, war das gerade Phil?!“

Es wäre glaubhafter gewesen, wenn ihre Stimme genauso eisig geklungen hätte, wie ihr Blick es war. Denn der Schock, der angeblich darin saß, war nicht echt. Und wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie wusste, dass es wirklich Phil gewesen wäre, viel glaubhafter! So kam nur ein genervtes 'Ja Mum' über meine Lippen.

Um die Entrüstung meiner Mutter wohl besser zu verstehen, sollte ich erwähnen, dass es sich bei Phil um meinen Exfreund handelte.

„Ja Mum?!“ kam es schnippisch von ihr.

„Emilio, er hat dir mittlerweile wie oft das Herz gebrochen? Zwanzig Mal?“

Ich merke an: Sie übertreibt und zwar gewaltig!

Ein erneutes Seufzen rang sich meine Kehle empor. Warum musste sie Phil auch immer so schlecht machen? Das war eigentlich total unfair, denn er war es wirklich nicht. Es hatte einfach nicht mit uns geklappt.

Nachdem ich die Decke zurückgeschlagen hatte, stieg auch ich aus dem Bett.

„Du weißt genau, dass das nicht stimmt Mum!“ antwortete ich energisch.

„Ich bin nicht mehr mit Phil zusammen. Wir haben ab und an noch Sex, das ist alles. Und“ betonte ich, „er brach mir nur einmal das Herz!“

Den letzten Satz wiederum quittierte meine Mutter mit einem lautstarken Murren. Ich wusste, dass es sie unglaublich störte, dass ich noch immer Zeit mit Phil verbrachte.

Während sie mir jetzt zusah, wie ich meine Sachen anzog, tippte sie ungeduldig mit einem Finger auf ihren Arm.

„Was?!“ fragte ich nun gereizt.

Es war meistens kein gutes Zeichen, wenn sie das machte. Und erneut sprach ihr Blick Bände.

„Nur Sex?“ fragte sie bedrohlich ruhig.

Verdammte Scheiße und ausgerechnet jetzt waren Adrienné und Ezekiel nicht zu Hause, die Puffer die sich meist zwischen mich und meine Mutter stellten.

„Ja, nur Sex, aber das ist es nicht, was dich stört oder?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, dass ist es wirklihc nicht. Dein Vater hat angerufen und gesagt, du hättest dich seit Monaten nicht gemeldet, selbst zu Weihnachten nicht.“

Ich hielt inne, ehe ich ganz in mein Longsleeve - Shirt schlüpfte, darüber zog ich noch ein T-Shirt.

Wenn ich etwas verabscheute, dann war es das Thema 'Vater'. Ich hatte meiner Überzeugung nach einen Vater und einen Erzeuger, wobei das nicht auf die gleiche Person zutraf. Mein Vater war Terrence Schmidt, der Mann den ich quasi seit meiner Geburt kannte. Und mein Erzeuger, dass ist Javier Ramirez, ein ehemaliger Arbeitskollege meiner Mutter aus Spanien, den sie während eines Aufenthalts dort kennengelernt, und die Beiden eine Affäre gehabt hatten.

„Emilio?“

Sie erwartete wirklich eine Antwort von mir? Doch ich wusste nicht, was genau sie von mir hören wollte. Ich schlang einen Schal um meinen Hals, ehe ich meine Schultasche schnappte und an ihr vorbeiging. Natürlich folgte sie mir auf dem Fuß.

„Emilio!“

Ich drehte mich wütend zu ihr um.

„Hör zu, ich habe nur einen Vater und das ist Terrence! Javier will doch nichts von mir wissen. Ich bin nicht so, wie meine 'perfekten' Halbschwestern! Ich bin schwul! Und ich bin ihm deswegen doch nur lästig, ein Anhängsel, dass er zu besonderen Anlässen auch mit Geschenken bedenken muss. Und genau das ist der Grund, warum ich mich Weihnachten nicht bei ihm gemeldet habe! Ich habe ihn seit fast 15 Jahren nicht mehr gesehen, außer auf Fotos, mit seiner 'perfekten' Familie! ER IST NICHT MEIN VATER!“

Während ich diese glorreiche Rede abgehalten hatte, war ich in meine Converse geschlüpft sowie meinen Wintermantel. Zum ersten Mal seit Wochen erlebte ich meine Mutter sprachlos und so nutzte ich die Chance, um noch eben im Bad meine Zähne zu putzen und meine Haare in die gewohnte Unordnung zu bringen.

Als ich wiederkam, stand Diane noch immer an der gleichen Stelle. Da sie mich nicht weiter ansprach, öffnete ich die Haustüre, wo mir sofort die eiskalte Luft entgegen strömte.

Ich zog noch schnell meine Mütze vom Haken in der Garderobe und setzte diese auf. Vor dem Gartentor erkannte ich die Silhouette von Calliope, meiner besten Freundin.

Die Hände in den Manteltaschen vergraben, ging ich auf sie zu und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Schule. Die junge Frau hakte sich bei mir unter. Ich liebte Calleigh abgöttisch, aber eben auf platonischer Ebene.

Für diejenigen, dies noch nicht geschnallt haben: Ich bin schwul!

Ich kenne die eigentlich Blonde, seit dem Kindergarten und damals waren wir schon dicke Freunde. Calliope hatte die unglaubliche Gabe, selbst in beschissenen Momenten ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Und das war definitiv einer dieser Augenblicke, wenn ich mich mit meiner Mutter gestritten hatte.

Der blaue Pony hing ihr ein bisschen in die Augen und mit einer unwirschen Bewegung wischte sie ihn weg.

„Calleigh?“ fing ich schließlich leise an, nach einer Weile des Schweigens.

Augenblicklich blieb die Kleinere stehen.

„Was ist?“ fragte sie besorgt.

Auch ich hielt inne und sah kurz in den Himmel, ließ ein paar Schneeflocken auf mein Gesicht fallen.

„Phil war heute Nach bei mir.“

Das war Calliope Erklärung genug, doch im Gegensatz zu Mum, hielt sie mir keine Moralpredigt sondern sah mich besorgt an.

„Und was ist mit Paul? Du liebst ihn doch. Warum tust du dir das mit Phil immer wieder an?“

Doch das freche Grinsen auf ihren Zügen zeigte mir, dass sie sich die Frage selbst beantwortet hatte.

„Der Sex“ gab sie trotzdem zur Antwort.

„Ist er immer noch so gut?“

Nun mussten wir Beide lachen und langsam gingen wir weiter.

„Gut? Du untertreibst, er ist genial!“

Ich spürte, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte, was mich leicht zusammenzucken ließ.

„Wer ist genial?“ fragte Die und gleichzeitig überholte uns Lucien mit dem Skateboard.

„Das du noch fragen willst, Die!“ kam es von unserem Nesthäkchen.

„Emo hatte wieder mal intergalaktisch guten Sex.“

Ich sah fragend zu Calleigh.

„Woher hat er nur immer diese hyperveralteten Wörter?“

Beide brachen wir in schallendes Gelächter aus, während Lucien etwas vor sich hingrummelte, was mich und die Blauhaarige nur noch mehr lachen ließ.

Nur Die lachte nicht, denn er wusste, was das für meine arme Seele bedeutete. Doch mittlerweile tat der zwanglose Sex mit Phil nicht mehr so weh, wie am Anfang. Was mich eher grämte, war die Sache mit Paul. Ich konnte meinem besten Kumpel doch nicht einfach sagen, dass da plötzlich mehr war, als Freundschaft.

Als ich mich zu Tomas (Dies richtiger Name) umdrehte, bemerkte ich die tiefen Augenringe.

Da waren also Zeke und meine Schwester gewesen. Bei Papa Deree und mein Neffe war im Moment echt nervenaufreibend. Irgendwie quälten ihn in letzter Zeit ständig Albträume. Wovon, wusste keiner. Ezekiel sprach nur sehr wenig, deshalb verbrachte Adrienné auch wieder mehr Zeit bei Die, da die Anwesenheit des Vaters dieses Verhalten möglicherweise beeinflussen konnte.

Ich glaubte das zwar nicht, aber wenn den Eltern selbst die Nähe gut tat, warum denn nicht? Sie waren schließlich alt genug und ein ausgesprochen hübsches Paar. Doch bis auf das eine Mal Sex, bei dem Zeke gezeugt worden war, hatte es bis jetzt noch nicht zu mehr gereicht.

„Wann hast du heute Arbeit aus Tomas?“ fragte Calliope.

Die arbeitete in einer Firma, direkt neben unserer Schule, welche Metallrohlinge produzierte. Er arbeitete dort in der Abteilungsleitung.

„Ich muss Überstunden schieben, aber so gegen Acht kann ich sicherlich raus. Habt ihr schon etwas geplant für heute Abend?“

Ich schüttelte den Kopf, während Lucien von seinem Bord runtersprang und es nach einem gezielten Tritt in der Hand hielt.

„Im Nightmare spielt heute Abend ne Band“ sagte der Jüngste.

„Dachte, da könnten wir doch mal hinschauen.“

Calliope beugte sich vor und sah Lucien skeptisch an.

„Und du denkst, dass deine Ma dich da hinlässt? Außerdem will niemand diese Pseudo-Musik hören!“

Ich fuhr der Kleineren ins Gesicht und schob sie dezent zurück an ihren Platz. Dann wandte ich mich dem Jüngeren zu, der etwas angepisst von Calleigh zu sein schien.

„Klar, ich geh mit. Ein bisschen Abwechslung kann ja sicherlich auch nicht schaden.“

Auch Tomas nickte.

„Klingt gut. Jetzt müssen wir Diane nur noch davon überzeugen, dass sie Zeke nimmt, dann kann Adrienné auch mit.“

Es sei erwähnt, dass Die und meine Sis wirklich kein Paar waren. Sie hatten mehr so eine Mischung aus Sex, Freundschaft und Liebe, mit der Gratisbeigabe Nachwuchs. Aber sie passten einfach super zusammen. Die Gothic Lolita und der Cybergoth.

Aber wenn man es recht bedachte, waren wir schon eine seltsame Truppe. Total Multi-Kulti. Zwei Goths, ein Punk, ein Skater, ein Grunger und ich. Aber ich war schwer einzuordnen, wobei ich sicherlich kein Emo war, dazu hatte ich eindeutig zu viel Temperament.

Langsam näherten wir uns nun der Schule und Paul kam in Sicht. Er wohnte leider am anderen Ende der Stadt, deshalb sahen wir uns erst immer in der Schule oder Nachmittags in der Stadt. Zumindest am Wochenende hatten wir mehr Zeit für einander, denn da klebten wir ununterbrochen aneinander.

„Morgen Leute“ grüßte uns Paul.

Allein schon seine Stimme zu hören, brachte mich an den Rand des Dahinschmelzens. Paul war für mich nie mehr als ein Freund gewesen, bis sich meine Anschauung vor ein paar Monaten, von einem Moment auf den Anderen, geändert hatte.

Die Trennung von Phil war erst einige Wochen her gewesen, die meiste Arbeit mit mir hatte wohl Die gehabt. Neben ihm, hatte ich wohl auch noch meine Mutter an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Ich hasste mich ja selbst dafür, ihr das anzutun, aber sie hätte mich mit ihrer Fürsorge erdrückt. Und eines Tages war dann plötzlich Paul vor der Tür gestanden und hatte mir den Kopf gewaschen. Und es hatte gewirkt. Ich war aus meiner Krise entflohen und irgendwie projizierte ich meine Gefühle jetzt auf Paul.

„Morgen Moe“ grüßte er mich grinsend.

Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Ich hätte zerfließen können, mich ihm voll, ganz und gar hingegeben, wenn mir Calliope nicht den Arm in die Rippen gerammt hätte. Fragend sah mich der Blonde an, als sich mein Gesicht schmerzvoll verzog.

„Morgen Paul!“ gab ich ächzend zurück.

Anschließend warf ich Calleigh einen Blick zu, bei dem sie eigentlich hätte tot umfallen müssen. Doch sie quittierte das alles nur mit einem unschuldigen Augenaufschlag. Tomas verabschiedete sich noch, um in die Arbeit zu verschwinden.

„Also wir sehen uns dann heute Abend. Halb neun im Nightmare!“

Die Hand zu einem Abschiedsgruß erhoben, lief er mit wehendem Mantel über die Straße. Ich sah ihm nach, bis er auf dem Gelände verschwunden war.

Manchmal wunderte ich mich wirklich, wie sie Tomas eine so bedeutende Aufgabe zugeteilt hatten. Mit den wegrasierten Haaren und dem langen Zopf. Aber ein Anzug machte bei ihm wirklich viel wett. Darin sah er unglaublich heiß aus. Und ich beneidete meine Schwester dafür, dass sie seine Flamme war. Warum konnte er nicht einfach schwul sein?

Aber dann fiel mir ein, dass er mich nicht glücklich machen konnte, auch wenn er der abgöttischte Liebhaber auf Erden wäre. Etwas würde mir fehlen.

Pauls nächste Frage rief mich zurück in die Realität.

„Was gibt's denn im Nightmare?“

„Lucien sagte, da würde eine klasse Band spielen“ antwortete Calliope.

„Natürlich mussten Emo und Die gleich zustimmen mitzugehen. Ich steh einfach nicht auf diese Pseudomusik.“

Paul sah für einen Moment so aus, als wäre er auch nicht gerade begeistert davon, doch dann hellte sich sein Blick auf.

„Spielen da heute nicht 'Black'?“

Ich konnte spüren, wie sich die Finger der Blauhaarigen in meinen Mantel gruben und sie augenblicklich den Kopf zu Lucien drehte, der sie fies angrinste.

„Du Ratte!“ rief sie laut und lief ihm schimpfend hinterher.

Black waren Calleighs absolute Lieblingsband. Vor allem stand sie total auf deren japanischen Sänger Yué Ukai. Welcher, zugegebenermaßen, mit den grünen Augen und dem blondgefärbten Haar wirklich Klasse aussah. Und Lucien hatte es gewusst und ihr nichts davon gesagt, was einem Schwerverbrechen gleich kam.

Kopfschüttelnd folgten Paul und ich nun den Beiden, welche schreiend und johlend quer über den Platz jagten.

Lucien hatte das Skateboard wieder unter seine Füße geklemmt, sodass er nun wieder um einiges schneller war, als Calliope. Einige Schüler drehten sich verwundert nach den Beiden um, jedoch würdigte der Großteil der Schule unsere Gruppe nicht mehr. Worüber wir auch ziemlich froh waren.

So konnten wir zumindest unter uns bleiben. Jedoch wollten immer wieder welche zu uns gehören, was ihnen aber bald darauf wieder verging, wen sie sahen, welch eingeschworene Freunde wir waren. Eigentlich hatten wir voreinander auch keine Geheimnisse.

Doch das, was ich selbst für Paul empfand, würde so geheim bleiben, wie die Unterlagen in der verbotenen Bibliothek in Rom.

Zumindest solange, wie ich es geheimzuhalten vermochte. Ich war ein schlechter Lügner und ein noch schlechterer Schauspieler.

Die Schulglocke läutete, sodass wir uns auf den Weg nach drinnen machten. Lucien war noch zwei Klassen unter uns, sodass wir getrennten Unterricht hatten. Erst in der Pause nach der dritten Stunde würden wir uns alle wiedersehen. Calliope und Paul hatten jetzt Deutsch-LK, während ich Chemie-LK-Doppelstunde hatte. Danach hatte ich frei und die anderen Beiden Latein. Also verabschiedete auch ich mich von meinen Freunden, ich musste schließlich in die Laborräume.

Mein Platz dort befand sich obligatorisch in der letzten Reihe.

Mrs. Brewer war zwar schon etwas älter, aber sie schaffte es auf sonderbare Art und Weise immer wieder, unser Aufmerksamkeit mit den geilsten Versuchen zu erwecken.

„So meine Lieben! Heute machen ma mal ne Idenditätsprüfung, de sich sehen lassen ko!

(Anm. von Emo: Wer jetzt meint, mir wäre meine Rechtschreibung abhanden gekommen, weit gefehlt, ich versuche nur, ihren Dialekt nachzuahmen)

Wie immer trug sie eine Schutzbrille, die langen braunen Haare in einem Zopf und einen weißen Kittel, der aussah, als hätten sich ein paar Motten daran gütlich getan, doch das waren Verätzungen. Säuren waren schon was gemeines.

„Also, des letzte Mal ham mir uns ja übers Natriumthiosulfat unterhalten. Man kanns jo zum wegmache von de Jodflecke hernehmen. Aba, de hat a scho an schöne Farbnachweis des Thiosulfat. Macht ma mit Silbernitratlösung. Aba am besten is, ich zeigs euch mo.“

Sie nahm ein Gefäß mit einer durchsichtigen Flüssigkeit und eine Dose mit farblosen Pulver. War ja klar, dass Mrs. Brewer die Lösung schon vorbereitet hatte. Vor sich platzierte sie ein Reagenzglas und ein paar Pipetten.

„Als als erstes gebts ihr ma 0,5 ml von der Prüflösung nei ins Reagenzglas, dazu des gleiche an Wasser. Gut schütteln, damit ses verteilt. Des da“, Sie hielt eine braune Glasflasche hoch, „is des Silbernitrat. Davo kemman jetzt ca. 2 ml in des Gemisch.“

Sie träufelte die Nitratlösung ins Reagenzglas. In rascher Abfolge entstand ein weißer Niederschlag, der sich erst gelb, dann rot und schließlich schwarz färbte. Das war echt mal ein geiler Nachweis und wir klatschten anerkennend. Gut, sie zeigte uns immer die Praxis, weil wir echt eine theoriefaule Klasse waren. Doch sie erklärte uns auch alles verständlich.

„Also, wer kann ma die Reaktion auf die Tafel schreibn?“

Meine Hand wanderte nach oben.

„Ah Emilio, sehr gut. Kimmst vor und schreibst es an. Kanns ei erklären?“

Ich erhob mich von meinem Platz, lief die Treppe nach unten zur Tafel. Meine Lehrerin hielt mir bereits eine Kreide hin, welche ich nahm und die Reaktionsgleichung an die Tafel schrieb.

Na2S2O3 + 2 AgNO3 => Ag2S2O3 + 2 NaNO3

„Natriumthiosulfat reagiert mit 2 Verbindungen Silbernitrat zu Silberthiosulfat und 2 Verbindungen Natriumnitrat.“

AgS2O3 => Ag2 +SO3

„Aber das Silberthiosulfat ist instabil und zerfällt in dem Farbumschlag zu Silbersulfat und Schwefeltrioxid.“

Mrs. Brewer war äußerst zufrieden mit meiner Leistung.

Chemie war mir noch nie wirklich schwer gefallen. Aus diesem Grund wollte ich auch ein natruwissenschaftliches Studium anstreben. Mit den Fächern Biologie, Chemie und Physik.

Und mit der Unterstützung meiner Lehrer war dazu auch durchaus in der Lage.

Die Doppelstunde war schneller vorbei, als ich gedacht hatte und so verließ ich das Labor, die Tasche über der Schulter hängend, den Mantel darüber liegend. Ich wusste noch nicht, was ich in meiner Freistunde tun sollte.

Phil hatte mir angeboten, mir Gesellschaft zu leisten. ABER: Das war eigentlich keine so gute Idee, denn meine Freunde, allen voran Lucien, mochten meinen Ex nicht wirklich. Es lag nicht wirklich daran, dass Phil unsympathisch war oder dergleichen, es war mehr die Tatsache, dass er mich während unserer Beziehung ziemlich für sich beansprucht hatte.

In der Aula angekommen ließ ich mich auf eine Bank sinken. Phil hatte mich die letzte Nacht ziemlich wach gehalten. Ich glaube, wir hatten vier Mal Sex. Ich legte mich also auf die Bank und schloss meine Augen. Ich konnte jeden verfluchten Muskel in meinem Arsch spüren. Aber dieser Sex mit Phil konnte echt süchtig machen. (tbc)